Die digitale Transformation treibt Innovation im Deutschlandtourismus. Nachlese für den DTP 2017
von Cornelius Obier, PROJECT M

am 02.02.2018
Der Deutsche Tourismuspreis hat sich inzwischen zu einem wichtigen Innovations- und Trendbarometer der Branche entwickelt. Unter den 62 Bewerbungen waren in diesem Jahr wiederum viele Highlights. Die Hälfte der Bewerbungen stammt aus DMOs oder TIs. Die andere Hälfte kommt aus der Tourismuswirtschaft. In diesem Jahr zeigt sich insbesondere die Beherbergung innovativ: neue Unterkunftsarten, neue Technologien, neue Services, neue Kooperationen. In den DMOs geht es nicht mehr nur um Marketing- und Produktinnovationen. Prozessinnovationen sind auf dem Vormarsch. Getrieben durch die digitale Transformation entwickeln sich neue Kollaborationsstrukturen und Arbeitsprozesse.

Innovation in der Beherbergung – die Branche ist in Bewegung

Unter den 62 eingereichten Beiträgen zum Deutschen Tourismuspreis 2017 ist ein gutes Dutzend interessanter Entwicklungen aus der Beherbergungsbranche. Der Trend zur Differenzierung der Unterkunftsarten zeigt sich seit Jahren und wird auch in diesem Jahr deutlich. Neben Tiny Houses, wie der „Kleinen Heimat – Der Almwagen am Tegernsee“ (www.kleine-heimat.de) ist v.a. der Gewinner des diesjährigen Tourismuspreises hervorzuheben: Das DOCK INN Hostel in Warnemünde (www.dock-inn.de) ist Deutschlands erstes Ho(s)tel aus upgecycelten Überseecontainern. Es erschließt neue Gästegruppen mit einem Übernachtungs- und Freizeitangebot, das optimal die Bedürfnisse und den Geschmack der jungen Gäste trifft.

Technologische Innovationen in der Hotellerie setzen neue Impulse: Betterspace (www.betterspace360.com) bietet Lösungen im Bereich der digitalen Gästekommunikation und Gebäudeoptimierung für die Hotellerie, darunter die digitale Gästemappe iQTab (Gästeservice) und die intelligente Raumsteuerung iQRoomcontrol (Energieeinsparung). Die Idee ist, Full-Service- Lösungen statt Insellösungen anzubieten. Conichi (www.conichi.com) entwickelt innovative Lösungen für die Hotellerie. Bisher umgesetzt: Express Check-in, Mobile Check-out, Mobile Payment, Digital Keys, Bereitstellung von Hotelinformationen, nun der nächste Schritt: digitale Türöffnung, um ein lückenloses digitales Gästeerlebnis zu ermöglichen.

Aber auch neue Marketingkooperationen sind hervorzuheben: die „Storytels“ (www.storytels.com) auf Helgoland beispielsweise. Sie machen das Storytelling zum zentralen Inhalt der Positionierung der beteiligten Hotels. Dadurch werden ohne größere bauliche Veränderungen die Angebotsvielfalt sowie das individuelle Profil und die Qualität der Häuser verbessert.

Das Marketing wird immer kreativer – innovative Kampagnen durch perfekte Verknüpfungen von offline und online

Die klassische Roadshow erlebt eine Renaissance: „Hamburg on Tour "Hej Göteborg!" (goteborg.hamburgontour.com) ist ein Beispiel dafür. Eine höchst professionell gemachte zweitägige Roadshow gemeinsam mit Partnern aus Tourismus, Kulinarik, Film, Musik, Kunst und Wirtschaft. „Mit dem Bochum-Express zum Hotspot der Live-Kultur“ (www.bochum-vonhieraus.de) ein zweites. Rund um die Roadshow werden freche digitale Marketingkampagnen mit hoher Medienresonanz umgesetzt. Wie man mit wenig Mitteln große Wirkung erzielt, zeigt Bodenmais Tourismus mit dem Beitrag Musikkapelle gesucht! (www.bodenmais.de). Unter dem Motto „Musikkapelle gesucht“ organisiert die Bodenmais Tourismus & Marketing GmbH Vereinsausflüge von Blaskapellen. Gruppen erhalten ein kostengünstiges „Rundum-Wohlfühl-Paket“ sowie ein Honorar für ein Konzert vor Ort.

Besonders herauszustellen ist auch der dritte Preisträger des diesjährigen Tourismuspreises. Die Ruhr Tourismus GmbH hat mit dem 1. Tag der Trinkhallen (www.tagdertrinkhallen.ruhr) einen echten Volltreffer gelandet, einen Feiertag für Trinkhallen als „Ikonen der regionalen Identität im Ruhrgebiet“, glaubwürdig und authentisch mit großer Binnen- und Außenwirkung. Das Marketing um die Aktion herum ist professionell und kreativ, eine auf Marktforschung basierte Qualitätssicherung ist obligatorisch. Die Ruhr Tourismus GmbH verfügt über eine Stabsstelle Unternehmensstrategie (Trends & Innovationen), die Innovation und Kreativität institutionalisieren soll.

Digital getriebene Prozessinnovationen verändern den Deutschlandtourismus

Der Deutsche Tourismuspreis hat dieses Jahr eine weitere Bereicherung erfahren. Neben Marketing- und Produktinnovationen entwickeln sich Prozessinnovationen, getrieben durch die digitale Transformation, neue Kollaborationsstrukturen und Arbeitsprozesse. Digital getriebene Arbeitsprozesse und Methoden halten nun (endlich) auch Einzug in den Deutschlandtourismus. Verschiedene Beispiele aus dem Kreis der diesjährigen Bewerber stehen für diese Entwicklung:

Der Hackathon "Hamburg Digital Erleben" der Hamburg Tourismus GmbH ist ein „Digital Innovation-Lab“, mit dem Ziel, einen Kreativ-Input für die Digitalstrategie der Hamburg Tourismus GmbH zu entwickeln. Die „Crowd Innovation Kampagne Thüringen“ verfolgt das Ziel, innovative Ideen im Bereich "Tagen in Thüringen" und bei der Vermarktung des Tagungsstandorts zu generieren. Die Agile Tourismusorganisation am Beispiel Ostfriesland, der diesjährige Sonder- und Publikumspreisträger des Deutschen Tourismuspreises, unterstützt systematisch den Change-Prozess der Ostfriesland Tourismus GmbH (www.ostfriesland.de). Nach Prinzipien der Managementmethode KAIZEN setzt die Ostfriesland Tourismus GmbH auf agiles Projektmanagement, schnelle Reaktionszeiten, laufende Fortbildung der Mitarbeiter, Ermutigung zu freiem, selbstständigen Handeln und neues, innovatives Außenmarketing. Alle Unternehmensbereiche werden ständig evaluiert und angepasst. Die Aktivitäten und Produkte werden einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess unterzogen. Freiräume für Ideen und Innovation werden geschaffen. Zeitfressende Aufgaben werden optimiert oder gänzlich abgeschafft.

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