Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Qualität prägen den Deutschen Tourismuspreis 2021
Nachlese zum DTP 2021

am 07.12.2021
Nachdem der Deutsche Tourismuspreis 2020 als Sonderformat unter dem Titel „#Neustart“ stattfand, kehrte der Wettbewerb in 2021 wieder zum bekannten Format zurück. Gesucht waren zukunftsweisende Produkte und Projekte für den Deutschlandtourismus, die neue Impulse und Standards in Sachen Innovation setzen und hinsichtlich Qualität und Nachhaltigkeit vorbildlich für die ganze Branche sind.

Mit insgesamt 72 Bewerbungen aus der deutschen Tourismuswirtschaft knüpfte der Deutsche Tourismuspreis 2021 an die Werte von vor 2020 an. Besonders stark vertreten waren diesmal die Tourismusorganisationen der Länder und Regionen. Im Bewertungs- und Auswahlprozess wurden die Bewerbungen aus den verschiedenen Themenbereichen in sieben inhaltliche Cluster gegliedert: Strategie, Vertrieb (digital), Marketing/Kampagne, Produkt, Besucherlenkung & Mobilität, Qualitätsmanagement sowie Nachhaltigkeit/Klimaschutz.

Deutscher Tourismuspreis 2021 im Hybrid-Format

Die fünf Finalisten um den Deutschen Tourismuspreis hatten auf dem Deutschen Tourismustag in Berlin im Oktober 2021 die Chance, ihren Wettbewerbsbeitrag in einem Pitch um den ADAC-Publikumspreis zu präsentieren. Erstmals fand der Deutsche Tourismustag dabei als hybrides Veranstaltungsformat mit über 300 Teilnehmenden vor Ort sowie einem live zugeschalteten Online-Publikum statt. Direkt nach der Konzeptvorstellung der Nominierten wurde das Voting für den Publikumspreis über die Website eröffnet. Die Preisverleihung für den DTP 2021 und ADAC-Publikumspreis 2021 fand am 7. Dezember 2021 im Online-Format statt.

Neben den Preisträgern 2021 destinature Dorf von WERKHAUS (1. Preis und ADAC-Publikumspreis), Public Ticket Solution der Berlin Tourismus und Kongress GmbH (2. Preis) und dem Kehrwieder-Paket von Fabio Haebel, Tim Mälzer und der Hamburg Tourismus GmbH (3. Preis) gab es auch in diesem Jahr zahlreiche weitere herausragende Bewerbungen. Dazu gehörten nicht nur die weiteren Nominierten: Immersion in die Nachkriegszeit - Die Königsberger Straße von der Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg sowie Tourismuslotse Saarland – Wegweiser für den Tourismus von morgen der Tourismus Zentrale Saarland, sondern auch eine Reihe weiterer Vordenker.

Die Bewerbungen 2021: Vordenker in allen Kategorien

Durch die Corona-Pandemie wurden übergreifende Trends und Veränderungsprozesse im Deutschlandtourismus enorm beschleunigt. Dazu passend zeichnete sich auch das Bewerberfeld besonders hinsichtlich Prozessinnovationen aus.

Bei den Tourismusorganisationen macht sich die zunehmende Verschiebung der inhaltlichen Handlungsschwerpunkte und eine Verlagerung der Aufgaben nach innen bemerkbar, wofür passende Lösungen benötigt werden und eine innovative Weiterentwicklung von Prozessen wesentlich ist. Eine Vorreiterrolle hierbei nimmt Tourismus NRW mit der Entwicklung einer Balanced Scorecard ein, die 35 Kennzahlen für die Messung von Change- und Transformationsprozessen im Destinationsmanagement neu definiert. Dieses datengetriebene Steuerungsinstrument macht in vier Dimensionen (Ressourcen, Geschäftsprozesse, Endkunden und Output) den Stand der Zielerreichung messbar und für alle Stakeholder transparent. Auch bei vielen Beiträgen im Bereich Digitalisierung und Datenmanagement standen viele Weiterentwicklungen und Adaptionen im Fokus. Hier ging es vornehmlich um das Ausfeilen der Details, der Optimierung von Anwendungen und der bestmöglichen Erfüllung von aktuellen Marktanforderungen.

Eine Sonderrolle nahmen die zunehmenden Bewerbungen zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein. Die eingereichten Strategien, die derzeit auf verschiedenen Ebenen entwickelt und implementiert werden, zeigen wichtige konzeptionelle Grundlagen und werden in den kommenden Jahren hier als Wegbereiter fungieren. Besonders herausgestochen ist die Initiative FÖHRgreen, die eine eigene Nachhaltigkeitsmarke auf der Insel Föhr entwickelt und entsprechende Teilnahmevoraussetzungen selbst festlegt. Diese werden bisher von 40 Ferienimmobilien sowie 18 Partnerbetrieben aus den Bereichen Manufaktur, Gastronomie und Erlebnis erfüllt. Die Nachhaltigkeitsmarke schafft Orientierung für Gäste, die sich entsprechende Standards in ihrer Feriendestination wünschen, fördert die nachhaltige Ausrichtung der Betriebe und trägt zur Stärkung eines qualitätsorientierten Tourismus bei. Mit dem Beitrag „Klimawandel anpacken“ von Tourismus Marketing Niedersachsen (nds.tourismusnetzwerk.info/inhalte/qualitaetsmanagement/klimawandel-und-tourismus) nahm erstmals ein Projekt zu Anpassungsstrategien an den Klimawandel beim Deutschen Tourismuspreis teil. Über 18 Monate hinweg finden Workshops mit Akteuren aus den DMOs und aus unterschiedlichen Handlungsfeldern statt, die gemeinschaftlich Lösungen für Klimaanpassungen erarbeiten. Auf Basis einer umfassenden Informations- und Datengrundlage sowie einer Klimarisikoanalyse sollen regionalspezifische Maßnahmen zur Anpassung an Klimawandel abgeleitet werden. Zentraler Bestandteil des Projekts ist zudem die Förderung von Allianzen in den Regionen durch digitale Vernetzungsformate. Klassischen Kampagnencharakter zeigte hingegen die Initiative „Naturschutz beginnt mit dir“ des Tölzer Land Tourismus (www.dein-toelzer-land.de) unter Einbindung von Partnern aus Wirtschaft und Naturschutz, bei der für Tourismusbewusstsein, ein gutes Miteinander von Einheimischen und Gästen sowie für ein rücksichtsvolles Verhalten in der Natur geworben wird. Wie viele andere Destinationen hat auch das Tölzer Land zuletzt einen starken Tagesausflugsverkehr verzeichnet und muss einer zunehmend abwehrenden Haltung der Einheimischen gegenüber dem Tourismus im Allgemeinen gegensteuern.

Mehrere Beiträge der Kategorie Besucherlenkung & Mobilität zeigten ebenso die zukunftsweisenden Trends bei der smarten Steuerung von Gästen vor Ort auf.

Die App YONA (yona.app) ermöglicht die Digitalisierung und Erweiterung analoger Infostelen mit Augmented Reality. Vorher rein analoge Oberflächen, wie z.B. Stadtpläne und Infostelen, können somit digitalisiert werden und um zusätzliche Informations- und Interaktionsmöglichkeiten erweitert und laufend aktualisiert werden. Die Freizeitampel Baden-Württemberg (www.freizeitampel-bw.de) fokussiert auf digitale Besucherlenkung mittels verschiedener aktueller und prognostizierter Auslastungszahlen des jeweiligen Ausflugsziels, um Überfüllung an bestimmten Orten zu vermeiden. Die Daten enthalten auch weitere Informationen, zum Beispiel zur Corona-Situation und den Anreisemöglichkeiten, und werden im Open Data Format zentral und strukturiert in der Anwendung mein.toubiz durch die Akteure vor Ort gepflegt.

Der #freifahrtschein in Südost-Rügen (www.ostseebad-sellin.de/freifahrtschein/) wiederum ebnet damit den Weg zu einer stressfreien, umweltfreundlichen und bedürfnisorientierten Mobilität: er erlaubt es den Gästen, sich mittel Bus-, Bahn- und Schiffsverkehr kostenlos durch ihre Urlaubsregion zu bewegen und reduziert damit den Autoverkehr. Ermöglicht wird dies durch eine Finanzierung über die Kurabgabe dank der Novellierung des Kommunalen Abgabegesetzes in Mecklenburg-Vorpommern.

Innovative Beherbergungskonzepte prägten den Bereich Produkt. Neben dem Preisträger destinature Dorf profilieren sich auch die Green Tiny Houses (www.greentinyhouses.com) als ökologische, wohngesunde und klimaneutrale Beherbergung inmitten der Natur und bestechen mit grünen Innovationen wie Astronautenduschen und Dämmung mit Seegras. Die mobilen Mini-Ferienhäuser bedienen perfekt den aktuellen Trend zu naturnahem Urlaub, ohne dabei auf Komfort und Design verzichten zu müssen. Einen anderen, aber nicht minder innovativen Weg schlägt der Beitrag HERRBERGSKIRCHEN im Thüringer Wald (herrbergskirchen.org) im Rahmen eines IBA-Projektes ein. Hier wandeln sich Kirchen entlang des Rennsteigs zu einem neuen touristischen Übernachtungsangebot, um diese zu erhalten, aber auch um als Orte der Begegnung eine Multiplikator-Wirkung für die Region zu erzielen. Herausragend präsentierte sich das als Finalist nominierte Freilichtmuseum Kiekeberg mit seinem neuen Ausstellungsteil „Königsberger Straße“ (www.kiekeberg-museum.de/blick-ins-museum/koenigsberger-strasse), das den Gästen eine ganzheitliche Immersion in die deutsche Nachkriegszeit ermöglicht. Die Zeit zwischen 1943 bis in die 1970er Jahre in der BRD wird durch den Aufbau eines kompletten Straßenzugs mit 7 Gebäuden zum Leben erweckt und durch Formate wie der „Living History“ authentisch und niederschwellig vermittelt.

Im Themenbereich Marketing stach Deutschlands Sonneninsel Usedom heraus, die bereits zum zweiten Mal der SUNSPOT Award in Partnerschaft mit starken Marken wie FMD und SONY durchgeführt und vergeben haben. 10 Filmemacher wurden nach Usedom eingeladen und produzierten in 100 Stunden einen 100 Sekundenfilm, um die Schönheit der Ostseeinsel auf kreative und authentische Weise einzufangen. Das Ergebnis war eine Vielfalt an neuem Video- und Bild-Content für die Destination, begleitet von einer reichweitenstarken Influencer-Kampagne. Im Gegensatz wagte sich die Bremerhaven GmbH in die Welt der Robotik und KI vor. Der Einsatz des bekannten Roboters „Pepper“ in der Tourist Information (humanoider-roboter-pepper-kann-im-maschinenraum-getestet-werden) zur Begrüßung und Interaktion mit Gästen soll nicht nur zur Entlastung der Mitarbeitenden beitragen, sondern ist auch ein Ausdruck für gelebte Innovation in der Destination Bremerhaven und fungiert damit als Leitprojekt im Geschäftsfeld "Wissens- & Erlebniswelten".

Der Bereich Vertrieb ist maßgeblich geprägt von der Entwicklung von Digitallösungen für Gästeprozesse in den Destinationen. So ermöglicht zum Beispiel die Anwendung WELCMpass von Guide2 (www.welcmpass.info) eine Zahlung der Kurabgabe direkt über das Smartphone an die Kommune und die Digitalisierung des Meldescheins, wodurch Prozesse vor Ort vereinfacht sowie Vermieter und Kommunen gleichermaßen entlastet werden. Neben einer vereinfachten Datenpflege und erleichterter statistischer Auswertung punktet das System mit Zusatzfunktionen wie der Vermarktung von Angeboten direkt über die App mittels Coupons.

Auch im Bereich Qualitätsmanagement spielte die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Unter dem Motto #ShowWhatYouKnow entwickelte Teejit (www.teejit.de) ein mobiles Filmstudio zur Corona-konformen, ressourcenschonenden Produktion von Lernvideos für touristische Betriebe und leistet damit einen wertvollen Beitrag zum Wissenstransfer im Tourismus. Die Anwender profitieren nicht nur von einer unkomplizierten, kostengünstigen Produktionsmöglichkeit, sondern werden zudem in Echtzeit durch den Anbieter betreut, müssen sich nicht im die Postproduktion kümmern und können ihre Inhalte kostenfrei als CC0-Lizenz verbreiten. Der nominierte, neukonzipierte Tourismuslotse Saarland (www.tourismuslotse.saarland) setzt bei der Qualitätsförderung im Land auf clevere Gamification und ansprechende Individualisierung von Inhalten. Die digitale, interaktive Plattform dient dabei als multimediale Werkzeugkiste für die unterschiedlichen Tourismusbetriebe und schafft Anreise zur Selbsthilfe: Neben klassischen Instrumenten wie Checklisten und Umsetzungsleitfäden finden die Anwender auch Vergleichsrankings, Erklärvideos und die Möglichkeit, sich verschiedene Level zu verdienen und so selbst kontinuierlich zu motivieren.

Autoren: Peter C. Kowalsky, Anne Weißenborn PROJECT M

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