Nachhaltigkeit und digitale Erlebnisinszenierung im Fokus beim Deutschen Tourismuspreis 2019
Nachlese zum DTP 2019

am 21.11.2019
Insgesamt 72 Bewerbungen, etwas weniger als im Vorjahr, aber dafür mit einer großen Bandbreite an Themen und vielen ganzheitlich durchdachten innovativen Ansätzen für den Deutschlandtourismus wurden 2019 eingereicht. Auch in diesem Jahr war Bayern mit 18 Bewerbungen das Bundesland mit den meisten Bewerbungen um den Deutschen Tourismuspreis, gefolgt von Rheinland-Pfalz (7), die im Vergleich zu 2018 einen deutlichen Sprung bei den Beitragseinreichungen gemacht haben, sowie Niedersachsen, NRW und Hamburg (jeweils 6). Mit 20 % Einreichungen von Unterkunftsbetrieben und 15 % Freizeit- und Kultureinrichtungen gab es auch einen Anstieg an Bewerbungen touristischer Leistungsträger. Knapp 50 % der Einreichungen stammen von DMOs bzw. Tourist-Informationen.

Auffällig war, dass viele der diesjährigen Ideen und Konzepte im Bereich Nachhaltigkeit als auch digitaler Erlebnisunterstützung mit Blick auf Qualität und Kundenorientierung sowie Wirtschaftlichkeit umfassender durchdacht waren. Insbesondere die Nachhaltigkeitsbeiträge zeigten, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Trendthema ist, sondern hier aus Überzeugung gehandelt wird.

Hotelkonzepte – Nachhaltigkeit auf allen Ebenen

Ganzheitliche Hotelkonzepte und Produktansätze zeigen, dass die Ideen in allen Bereichen – in Erlebnis, Design, Management und Marketing – mit Überzeugung, Nachhaltigkeitsbewusstsein und dem Willen zur Veränderung umgesetzt werden. So z.B. beim nominierten Beitrag Coconat - workation retreat (coconat-space.com), welches im ländlichen Raum in Bad Belzig in Brandenburg Geschäftsreisenden und digitale Nomaden einen temporären Lebens- und Arbeitsplatz für das kreative und naturnahe Arbeiten anbietet. Ein Ansatz, der sich auch positiv auf die regionale Entwicklung auswirkt und neue Tourismusperspektiven aufzeigt.

Das ebenfalls nominierte, nachwachsende Creativehotel Luise (www.hotel-luise.de) setzt das umfassende Nachhaltigkeitserlebnis und den Nachhaltigkeitsschwerpunkt nicht nur bei sich selbst um, sondern bindet den Gast als auch die Dienstleister in die Nachhaltigkeitsstrategie komplett mit ein. Das seit 2010 klimaneutrale und seit 2015 erste klimapositive Hotel Europas setzt zudem hohe Standards durch ein modernes und qualitativ hochwertiges Interieur, ein unverkennbares Design und bei der Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens im Management.

Auch die nominierte Bewerbung des 100 Haus Wolgasts (100haus.de) steht für einen nachhaltigen Ansatz. Durch Beteiligung von Schülern aus einem regionalen Gymnasium wurde ein baufälliges Gebäude unter Verwendung von nachhaltigen Baustoffen zu einer modernen Upcycling-Herberge neu hergerichtet. Ein authentischer „Leuchtturm“, der viel DNA und „Patina“ enthält.

Digitalisierung zur Optimierung der Buchbarkeit sowie digitale Erlebnisunterstützung

Der Einzug digitaler Erlebnisinszenierung im Tourismus ist ungebrochen. In der Panik City (panikcity.de) wird das musikalische, künstlerische und gesellschaftspolitische Wirken von Udo Lindenberg durch Virtual Reality Hilfsmittel und Augmented Reality in einem nostalgischen Erlebnisdesign zum multisensorischen Edutainment. Mehr „Udo“ und erlebbare Fankultur geht nicht.

Virtual Reality, hochmoderne Beamer-Projektionen, Sound und Sensorik bringen auch beim Beitrag Discovery Dock (discovery-dock.de) den Gästen die Geschichte und die Zukunft des Hamburger Hafens interaktiv bei und verbinden Wissen und Spaß. Faszinierende Orte, die sonst nur schwer zugänglich sind, werden nunmehr spielerisch und in Echtzeit erlebbar.

Aber nicht nur Erlebniseinrichtungen, sondern auch Destinationen denken ihren Service und Erlebniswert immer digitaler. Das Familienabenteuer Rheinland-Pfalz (familienabenteuer.gastlandschaften.de) macht es z.B. Familien möglich, verschiedene Orte und Geschichten der Region unter Zuhilfenahme digitaler Medien wie SMS und Web Apps spielerisch und entdeckungsreich kennenzulernen.

Der nominierte Beitrag von Bookingkit (bookingkit.net) bietet eine umfassende digitale Lösung zur besseren Zugänglichkeit und Buchbarkeit von Touren und Aktivitäten – insbesondere auch von kleineren Anbietern. Was von großen Playern wie TUI & Co. bereits aufgrund der Marktperspektive priorisiert wird, bietet gerade mit Blick auf die zunehmende Nachfrage an Aktivitäten vor Ort und für die effektive Online-Vermarktung bzw. effiziente Online-Buchung große Vorteile. Die Vermarktung über eine zentrale Software-as-a-Service Plattform mit direkten Schnittstellen zu den relevanten OTAs bringt Reichweite und spart zudem eigene Ressourcen.

Tourismus gemeinsam weiterentwickeln und kreativ vermarkten!

Der Ideenwettbewerb So geht sächsisch (www.so-geht-saechsisch.de/ideenwettbewerb) förderte durch Kooperationen zwischen Tourismus und Kultur-/Kreativwirtschaft neue Produkte und Angebotsinszenierungen. Gelebtes Design Thinking führte zu neuen Synergien und Sichtweisen und damit zu neuen Ideen für touristische Angebote für das ganze Bundesland Sachsen. Eigentlich ein Muss und mindestens ein schönes Vorbild für die Produktentwicklung/-qualifizierung auch in anderen Destinationen.

Tourismus und Einzelhandel? Na klar, das kundenorientierte Konzept Wanderhammer (www.bodenmais.de) in Bodenmais, das den Gästen bei Buchung eines dreitägigen Aufenthalts hochwertige Markenwanderschuhe vom ansässigen Sportbekleidungsgeschäft zu Einkaufspreisen verspricht sowie freie Eintritte in Attraktionen der Region durch die aktiv Card Bayrischer Wald und die GUTi Gästekarte ermöglicht, bringt Mehrwerte für den Gast und die Betriebe zugleich!

Provokant und lustig – Vermarktung mal anders

Provokante und witzige Gästeansprache zugleich! Mit der Imagekampagne One Night Stand – Deine Nacht mit NRW (www.dein-nrw.de/esliegtandir) ist der Tourismus NRW e.V. eine schöne Beitragsnominierung gelungen. Im Schulterschluss von 12 Regionen mit dem Landesverband sehr erfolgreich auf sozialen Medien und mittels interaktiven Events gemeinsam für Kurztrips in die Region und die Wander- und Fahrradwege in Nordrhein-Westfalen zu werben, ist ein gelungenes Beispiel für Kampagnen und Marketingkooperationen.

„Vollumfängliche Erlebnisse“ und Aufmerksamkeit für die Destination verspricht mit reichlich Vogelgezwitscher, Waldrauschen und weiteren Naturgeräuschen auch die Erlebnis-Toilette Hochschwarzwald (www.hochschwarzwald.de). Dekoriert mit passenden Waldmotiven und geräuschdämpfenden Moospaneelen wird nicht nur das Hochschwarzwald Flair witzig aufgegriffen, vielmehr wird die Willkommenskultur und der Service für Gäste entscheidend verbessert. Zudem ein Geschäftsmodell, das sich über das Service-Entgelt selbst trägt und beliebig skalierbar ist!

Autoren: Peter C. Kowalsky & Cornelius Obier, PROJECT M GmbH

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